KURZFILM ALS KUNST UND WISSENSCHAFTLICHES MEDIUM

Dass Kurzfilm auch Kunst sein kann, beweist Bjørn Melhus. Er ist einer der bekanntesten deutschen Kurzfilmemacher und Medienkünstler, der seine Arbeiten nicht nur im Rahmen von Festivals präsentiert, sondern diese finden auch und besonders in der Kunstszene außerhalb des Filmbusiness internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung. Melhus hinterfragt kritisch die Beziehungsmuster zwischen Medium und Zuschauer, indem er massenmediale Phänomäne rekursiv anwendet. Dadurch entsteht in seinen Arbeiten aus klassischem Filmmaterial etwas Neues und Eigenes. Als unverkennbare Handschrift benutzt Melhus Audio-Found-Footage aus verschiedensten Ausgangsmaterialien, um zuerst die Tonspur zu montieren und dann die Bilder lippensynchron zum Text aufzunehmen. So gibt er beispielsweise der Stimme von Judy Garland ein neues Gesicht: seines!
Im Rahmen der Regensburger KURZFILMWOCHE war er letztes Jahr mit seinem Film „I ́m not the Enemy“ im internationalen Wettbewerb vertreten. Dieses Jahr hat er hier mit seinem Werk „Das Badezimmer“ erneut die Chance auf den BR-Kurzfilmpreis oder den Preis der Stadt Regensburg. Als einen der renommiertesten Videokünstler unserer Zeit kann man Bjørn Melhus also durchaus bezeichnen: Seine Werke waren auf internationalen Ausstellungen und Festivals zu sehen – z. B. in der Tate Modern und dem Lux in London, dem Museum of Modern Art (MediaScope) in New York und dem Centre Pompidou in Paris – und erhielten zahlreiche Auszeichnungen und Preise. Einen aufschlussreichen Einblick in sein künstlerisches Schaffen kann der geneigte Zuschauer in dieser Werkschau gewinnen.
CMV - Bjørn Melhus
SO / 17.03. / FILMGALERIE / 20 UHR

AMERICA SELLS
Der 1. Juli 1990, Tag der deutschen Währungsunion. In der noch existierenden DDR wird mit der DM die freie Marktwirtschaft eingeführt. Auf dem Berliner Alexanderplatz findet eine Siegesfeier der besonderen Art statt. „Feel free, buy T-Shirts.“
Deutschand 1990

DAS ZAUBERGLAS
Ein sich rasierender Mann begegnet seinem weiblichen Alter Ego im Zauberglas, dem Fernseher... Ein Märchen vom Kommen und Gehen, von der Magie, der Anziehungskraft und der Unfaßbarkeit des virtuellen Bildes.
Deutschland 1991

NO SUNSHINE
„In einem von Musikvideo- und Werbefilmästhetik geprägten Video spielt Melhus vier identisch aussehende Personen, die in kurzen Pop- Song-Phrasen im Duett, miteinander, gegeneinander und direkt der Kamera zugewandt kommunizieren. Es sind infantile Körper, die in einem virtuellen Raum zu schweben scheinen, der zugleich ihre eigene Innen- welt ist. Komplett rot eingefärbt mit künstlichen Haaren und in hauten- gen Anzügen, erinnern sie an menschliche Klone in Science-Fiction- Fernsehserien. Selbstverliebt und geschlechtsneutral beobachtet und kommentiert das eine Paar mit aufgeregt kindlich-naiver Stimme das andere – äußerlich identische – Paar, das offenbar schlimme Dinge mit- einander treibt, aber als obskures Objekt verdrängter Sehnsüchte eine unbekannte, gefährliche Attraktion ausübt.“ (Medienkunstnetz)
Deutschland 1997

THE ORAL THING
Das Video reflektiert die amerikanischen Talkshowformate von Jerry Springer und Maury Povitch, die sich als Redeforen ausgeben, doch tatsächlich die Profilierungssüchte ihrer Kandidaten ausnutzen.
Deutschland 2001

MURPHY
Diese Videolichtsequenz basiert auf Tonschnipseln aus dem Film „Das Fliegende Auge“ (USA, 1982), der eine der medialen Rehabilitationen von Vietnamveteranen in der Zivilgesellschaft der frühen 80er war. Der Protagonist des Films ist Captain Frank Murphy ein klassischer „good cop“ und ehemaliger Hubschrauberpilot im Vietnamkrieg, der unter einem Post Traumatic Stress Disorder leidet. Sein Gegenspieler ist Lt. Colonel Cochrane, Bösewicht, und ebenfalls Vietnam Veteran.
Deutschland 2008

AUTO CENTER DRIVE
Der Film spielt auf verschiedenen Ebenen. Neben einer sehr persönlichen, metaphorischen Erzählung geht es vor allem um die Konstruktion und Dekonstruktion des Egos. In der westlichen Kultur ist das Ich eine Selbsterfindung, die immer wieder auf medialen Projektionen beruht, wie auch der suburbane Umraum zunehmend einem Drehbuch zu folgen scheint.
Deutschland 2003

AFTERLIFE
Eine weite Wüstenlandschaft erstreckt sich vor dem Auge und geht über in Vorstellungen vom Leben nach dem Tod und das weiß gleißende Licht macht aus dem Sterblichen einen Unsterblichen. Der Vorhang senkt sich nach der Vorstellung doch der Geist lebt weiter. Wahrlich frei in Windböhen und Staubwolken. Judy Garland, Jim Morrison, Big Jim und man selbst – das Leben mag sinnlos sein aber in seinem Vergehen liegt trotzdem unglaubliche Schönheit.
Deutschland 2010

I ́M NOT THE ENEMY
Wenn Soldaten von Kampfeinsätzen zurückkehren, sind sie oftmals traumatisiert. Bjørn Melhus inszeniert die unheimliche Familie eines Kriegsheimkehrers. „I ́m not the Enemy“ erzählt von einem Kriegsrückkehrer, der in der heimatlichen Umgebung befremdet und eher hilflos einer fast psychotischen Familiensituation gegenübersteht und der keinen Halt mehr findet in einer Gesellschaft, der der reale Kriegszustand fremd und vielleicht sogar egal ist.
Deutschland 2011

BLUE MOON
Ein Schlumpf steht fehlplatziert im wilden Westen und besingt melancholisch den Mond und die Landschaft. Doch all das ist Lüge, wie eine innere Stimme befindet.
Deutschland 1998





